Dr. Ulrike Lehmann.
Die Frau, die Unternehmen das Sehen beibringt.
Sie hat an der documenta gearbeitet, das Standardwerk über Kunst im Unternehmen herausgegeben und Deutschlands ersten Art-Coaching-Ansatz gegründet. Portrait 005 unserer Reihe: warum Führung von Künstlern mehr lernt als von Frameworks.

Warum diese Frau in dieser Reihe steht
Zwei Jahrzehnte hat Ulrike Lehmann als Kuratorin in Museen gearbeitet — u. a. Kunsthalle Bremen, Museum Ludwig Köln, Sprengel Museum Hannover, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, documenta 8 — und dabei etwas gelernt, das in Unternehmen selten gelehrt wird: wie man hinsieht. Nicht scannen, nicht bewerten, sondern aushalten, dass ein Bild sich nicht sofort erschließt. 2012 hat sie daraus einen Beruf gemacht und ART | COACHING gegründet. Sie weiß um die Kraft der Kunst, auch als Inspirationsquelle, und nutzt sie in Workshops für Unternehmen, um Kreativität und Kommunikation zu verbessern.
2017 erschien bei Springer Gabler ihr Herausgeberband „Wirtschaft trifft Kunst. Warum Kunst Unternehmen gut tut" — über dreißig Beitragende aus Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft, seither das Standardwerk zum Thema. Neun Jahre später hat sie die These weitergetrieben: 2026 erschien, ebenfalls bei Springer Gabler, „Creative Leadership. Was Führungskräfte von Künstlern wie Picasso lernen können" — künstlerisches Denken als Führungspraxis, die mutigere Entscheidungen möglich macht.
Die Verbindung
Ulrike Lehmann ist Kooperationspartnerin im Format MUT FÜHRT — einer gemeinsamen Initiative mit Christopher Peterka und der Denkfabrik gannaca für Führung unter Unsicherheit. Der Ausgangspunkt: Führung unter Unsicherheit scheitert selten an Wissen. Sie scheitert an Entscheidung.
Das Format ist zweiteilig gebaut. Lehmann leitet den ersten Teil, „Seeing differently" — kunstbasierte Wahrnehmungserweiterung, Mustererkennung, Reflexion von Denkmustern, Umgang mit Mehrdeutigkeit. Peterka übernimmt den zweiten, „Deciding anyway" — Analyse realer Entscheidungsdilemmata und die Entwicklung praktischer Entscheidungslogiken. Wer nicht mehr sieht, was vor ihm liegt, entscheidet aus Reflex statt aus Urteil. Genau da setzt der erste Teil an.
Drei Fragen, die sie sich stellt
Was können Führungskräfte von Künstlern lernen? Ihre Antwort: Unsicherheiten aushalten und mit Unfertigem arbeiten, ohne es vorschnell zu schließen — die Kernkompetenz in unsicheren Lagen.
Wie misst man den Wert von Kunst im Unternehmen? Ihre Antwort: daran, ob Kunst die Mitarbeitenden bereichert, glücklich macht und zu neuen Ideen inspiriert. In keiner Bilanz steht das — und genau das ist der Punkt.
Was macht KI mit Kreativität? Wenn Maschinen das Naheliegende erzeugen, wird das Nichtnaheliegende zur eigentlichen Leistung. Genau dort beginnt Kunst.
„Menschen aus dem gannaca-Netzwerk" portraitiert monatlich eine Person, mit der dieses Haus arbeitet — als Archiv der Köpfe, die an der Zukunft bauen. Vorschläge: peterka@gannaca.com